Preis für Popkultur 2017: Für Engagement und Solidarität!

Preis für Popkultur 2017: Für Engagement und Solidarität!

Sie setzten den idealen Rahmen: Durch die zweite Verleihung des Preises für Popkultur im Berliner Tempodrom führte in diesem Jahr erstmals das Moderatorinnen-Duo aus Hadnet Tesfai und Claudia Kamieth. Rio Reiser wurde für sein Lebenswerk geehrt, Feine Sahne Fischfilet und das PxP-Festival für politisches und gesellschaftliches Engagement. Neben den Auszeichnungen und Gästen wie Rammstein, Beginner, Casper, Marteria, Jennifer Rostock, K.I.Z., Gurr und Balbina standen die insgesamt sieben Live-Auftritte im Zentrum der Gala.

Nachdem eine breite Fachjury aus über 650 Mitgliedern des ausrichtenden Vereins zur Förderung der Popkultur im Vorfeld unter notarieller Aufsicht jeweils fünf Nominierungen für insgesamt dreizehn Kategorien ermittelt hatte, wurden am Abend in Berlin die Gewinnerinnen und Gewinner ausgezeichnet. Über den Preis für Popkultur freuten sich unter anderem Rammstein, Beginner, Marteria, Alice Merton, Feine Sahne Fischfilet oder das PxP-Benefizfestival. Die komplette Liste mit allen Gewinnern findet sich im hinteren Teil dieser Pressemeldung.

Als die mehrfach nominierte Band Kraftklub den Abend gemeinsam mit 50 Tänzerinnen und Tänzern nach einer Piano-Overtüre von Lambert mit einem knapp 15-minütigen Set eröffnete, verwandelte sich die Gala auf Anhieb in eine Festivalbühne. Im weiteren Verlauf der Verleihung überzeugten Mine & Fatoni mit einem Auftritt, bei dem sie erstmals Songs ihres gemeinsamen Albums »Alle Liebe nachträglich« aufführten. Marteria spielte ein mitreißendes Set, für das er Arnim Teutoburg-Weiß von den Beatsteaks als Special-Guest begrüßen konnte, Joy Denalane nahm das Publikum unter Zuhilfenahme von Streichern und Pianoforte mit einer intimen Ausnahmeperformance gefangen. Außerdem verpassten die Newcomer Van Holzen dem Abend die nötige Dosis Rock’n’Roll, bevor Zugezogen Maskulin mit Stacheldraht, Tennisspielerinnen und exklusiven Eindrücken ihres kommenden Albums »Alle gegen alle« eine eindeutige politische Note setzten.

Zuvor hatte Gert Möbius in einer bewegenden Laudatio auf seinen Bruder, den verstorbenen Komponisten, Textdichter und Musiker Rio Reiser, ziviles Ungehorsam und Unangepasstheit in schwierigen Zeiten angemahnt. Reiser war für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Die politische und gesellschaftliche Lage war auch sonst eine thematische Konstante der Verleihung. So sorgte der Sänger der eigens für den Preis für Popkultur aus der Vorbereitung für ihr heute stattfindendes Festival Wasted In Jarmen angereisten Band Feine Sahne Fischfilet gemeinsam mit einigen Mitorganisatoren der von der Band initiierten und beim Preis für Popkultur ausgezeichneten Kampagne »Noch nicht komplett im Arsch« mit einem mitreißenden Aufruf für zivilgesellschaftliches Engagement für einen der Höhepunkte des Abends. Die einst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommenen Gründer des PxP-Festivals, Fetsum Sebhat und Tedros Tewelde, erinnerten an humanistische Werte und hielten ein glühendes Manifest auf Solidarität und Mitmenschlichkeit.

Eine persönliche Note verdankt der Abend unter anderem der bewegenden Laudatio des A&R-Managers Sigi Schuller auf seinen »besten Freund«, den Produzenten Tobias Kuhn (Die Toten Hosen, Clueso, Thees Uhlmann u.a.), der sich in der neugeschaffenen Kategorie »Lieblingsproduzent/in« durchgesetzt hatte. Der Chefredakteur des deutschen »Rolling Stone«, Sebastian Zabel, erinnerte an das kreative Potenzial gelungener Kampagnen, der Musiker, Labelbetreiber und Autor Maurice Summen an die Bedeutung guter Pop-Geschichten, Flake von Rammstein offenbarte enormes humoristisches Talent. Nicht zuletzt gelang es den Moderatorinnen Claudia Kamith und Hadnet Tesfai auf charmante Weise, dem Abend eine eigene Note abseits des üblichen Fernsehgala-Rahmens zu verleihen.

»Wir sind immer noch überwältigt von den tollen Reaktionen der Musikerinnen und Musiker«, sagt die Vorstandsvorsitzende des ausrichtenden Vereins zur Förderung der Popkultur, Anne Haffmans. »Ein Jahr lang haben wir alle ehrenamtlich und in jeder freien Minuten auf diesen Abend hingearbeitet. Am Ende haben unsere fantastischen Mitglieder, die vielen anderen Gäste und vor allem natürlich die Preisträgerinnen und Preisträger sowie die auftretenden Musikerinnen und Musiker den Abend für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht.« Haffmans und der restliche Vorstand bedanken sich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ab Montag beginnen die Vorbereitungen für den Preis für Popkultur 2018.

Foto: Stephan Flad